Modellgüte
Einstieg
Was er sagt: “Meine Pille reduziert das Gewicht im Schnitt um 1 kg!”
Was er NICHT sagt: Die Werte streuten um 10 kg um den Mittelwert.
Wie sehr die Werte eines Modells streuen, ist eine wichtige Information — bei der Pille kann es sein, dass Sie 10 kg zunehmen.
Einstieg
Fritz will mit seiner Kuh einen Fluss überqueren. Er fragt Karla, ob der Fluss tief ist.
Karla: Nö, im Schnitt nur einen Meter.
Fritz führt seine Kuh durch den Fluss — die Kuh ertrinkt.
Wichtig
Die Streuung der Daten zu kennen, ist eine wesentliche Information — ein Lagemaß (wie der Mittelwert) allein reicht nicht.
Einstieg
Bei wenig Streuung liegen beobachtete Werte (\(y\)) nah an den Modellwerten (\(\hat{y}\)) — die Abweichungen \(e = y - \hat{y}\) sind gering.
Woran erkennt man ein gutes Modell?
Wir wollen ein präzises Modell, also kurze Fehlerbalken: Das Modell soll die Daten gut erklären, also wenig vom tatsächlichen Wert abweichen.
Wichtig
Ein Modell ohne Angabe der Modellgüte (Präzision der Schätzung) ist wenig nütze.
Woran erkennt man ein gutes Modell?

Innerhalb der Gruppen (0 vs. 2 Lenkräder) sind die Fehlerbalken im Schnitt kürzer als im ungruppierten Modell.
Woran erkennt man ein gutes Modell?
Definition: Streuungsmaß
Ein Streuungsmaß quantifiziert die Variabilität (Unterschiedlichkeit, Streuung) eines Merkmals.
Streuungsmaße
Definition: Spannweite
Die Spannweite (Range) \(R\) ist die Differenz von größtem und kleinstem Wert eines Merkmals \(X\): \(R := X_{max} - X_{min}\).
Beispiel: Werte 1, 23, 42, 100 → \(R = 100 - 1 = 99\).
Die Spannweite ist nicht robust gegenüber Extremwerten und sollte nur eingeschränkt verwendet werden.
Streuungsmaße
Legt man alle Abweichungsbalken \(e\) aneinander und teilt durch die Anzahl \(n\), erhält man den “mittleren Abweichungsbalken” \(\bar{e}\) — die Mittlere Absolutabweichung (MAE, MAA).
Definition: Mittlere Absolutabweichung
\[\mathrm{MAE} := \frac{\sum_{i=1}^n |y_i - \bar{y}|}{n} = \frac{\sum_{i=1}^n |e_i|}{n} = \bar{e}\]
Streuungsmaße
\(MAE = \frac{1 + |-3| + 1 + 1}{4} = 6/4 = 1.5\)
Den Mittelwert kann man als lineares Modell (Gerade) auffassen: lm(y ~ 1, data = d).
Streuungsmaße
Definition: Interquartilsabstand
\(IQR := Q_3 - Q_1\)
Der IQR ist robuster als MAA, Varianz und Standardabweichung — er baut nicht auf dem Mittelwert auf.
Beispiel: Q1 = 1.65 m, Q3 = 1.75 m → \(IQR = 1.75\,m - 1.65\,m = 0.10\,m\) (10 cm).
Streuungsmaße

Streuungsmaße
Eine Normalverteilung lässt sich komplett über Mittelwert und Standardabweichung beschreiben.
Eine Konstante addieren “verschiebt den Berg”, ohne die Form zu verändern.
Streuungsmaße
Die Varianz ist der mittlere quadrierte Abstand jedes Werts vom Mittelwert.
Definition: Varianz
\[s^2 := \frac{1}{n}\sum_{i=1}^n (y_i - \bar{y})^2 = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^n e_i^2\]
Sie entspricht dem Mean Squared Error (MSE) eines Modells:
\[MSE := \frac{1}{n}\sum_{i=1}^N (y_i - \hat{y})^2\]
Streuungsmaße

Die Varianz fasst die typische quadrierte Abweichung der Beobachtungen vom Mittelwert in eine Zahl.
Streuungsmaße
Man ordnet die Abweichungsquadrate zu einem Rechteck mit Seitenlängen \(n\) und \(\sigma^2\).
Streuungsmaße
Definition: Standardabweichung
Die Standardabweichung (SD, \(s, \sigma\)) ist die Quadratwurzel der Varianz: \(s := \sqrt{s^2}\)
Aus Modellierungssicht ist die SD die Wurzel des MSE — man nennt sie Root Mean Squared Error: \(RMSE := \sqrt{MSE}\)
Hinweis
Die SD ist i. d. R. ungleich zur MAE, aber (fast) gleich zur RMSE.
Streuungsmaße
Modellgüte des Mittelwerts anhand der Streuung im Verkaufspreis (mariokart, Extremwerte entfernt):

Streuungsmaße
Fassen wir den Mittelwert als Punktmodell des Verkaufspreises auf, sind die Streuungskennwerte zugleich Kennwerte der Modellgüte. Ein Modell ohne UV heißt Nullmodell.
Ein komplexeres Modell (z. B. total_pr ~ wheels) senkt i. d. R. den MAE gegenüber dem Nullmodell.
Streuung als Modellfehler
Bei einem Datensatz ist oft schwer zu sagen, welche Ausprägungen “groß” oder “klein” sind. Die z-Transformation transformiert Werte in bekannte, verständliche Bereiche:
Sie besteht aus zwei Schritten: Zentrieren und Streuung standardisieren.
Die z-Transformation
Definition: Zentrieren
Von jedem Wert einer Verteilung \(X\) wird der Mittelwert subtrahiert: \(X_c = X - \bar{X}\). Der neue Mittelwert ist Null.
Die z-Transformation
Wie viel Abweichung vom Mittelwert ist “viel”? Man setzt die Abweichung in Bezug zur typischen Abweichung (SD): weicht ein Spiel 10 € vom Mittelwert ab und beträgt die SD 10 €, ist die standardisierte Abweichung 1 (10/10 = 1).
Die z-Transformation
Kochrezept: (1) Abweichung vom Mittelwert berechnen, (2) durch die SD teilen.
Definition: z-Werte
Für die Variable \(X\) berechnet sich der z-Wert der \(i\)-ten Beobachtung: \(z_i := \frac{x_i - \bar{x}}{sd_x}\)
Faustregel: Extremwerte (Ausreißer), wenn \(z_i \ge 2.5\) (Shimizu, 2022).
Die z-Transformation
Definition: Standardnormalverteilung
Eine Standardnormalverteilung ist eine Normalverteilung mit Mittelwert 0 und Standardabweichung 1: \(X \sim \mathcal{N}(0, 1)\)
Jede Normalverteilung lässt sich mit der z-Transformation in eine Standardnormalverteilung überführen.
Die z-Transformation
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Statistik1 — Modellgüte