flowchart TD
A[Start] --1/2--> B1[T]
A --1/2--> B2[N]
B1 --1/2--> C1[TT - 1/4]
B1 --1/2--> C2[TN - 1/4]
B2 --1/2--> C3[NT - 1/4]
B2 --1/2--> C4[NN - 1/4]
Rechnen mit Wahrscheinlichkeit
Lernziele: Sie können …
Klingt wild — ist aber oft ganz einfach.
Gezinkter Würfel mit \(Pr(\text{6}) = 1/3\): Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, keine 6 zu würfeln? — \(2/3\)
Additionssatz
\[Pr(1 \cup 2) = \frac{1}{6} + \frac{1}{6} = \frac{2}{6}\]
Vereinigung von Ereignissen: Additionssatz
Definition: Additionssatz für disjunkte Ereignisse
Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eines der beiden Ereignisse eintritt, ist die Summe der Einzelwahrscheinlichkeiten.
\[Pr(A \cup B) = Pr(A) + Pr(B)\]
Beispiel: An einem Samstag oder Sonntag geboren zu sein: \(Pr(A) = 1/7 + 1/7 = 2/7\)
Vereinigung von Ereignissen: Additionssatz
Vereinigung von Ereignissen: Additionssatz
Definition: Allgemeiner Additionssatz
Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eines der beiden Ereignisse \(A\) und \(B\) eintritt, ist gleich der Summe ihrer Wahrscheinlichkeiten minus ihrer gemeinsamen Wahrscheinlichkeit.
\[Pr(A \cup B) = P(A) + P(B) - P(A\cap B)\]
Vereinigung von Ereignissen: Additionssatz
Daten von 100 Studis (Statistik 1 und 2 bestanden, B, oder nicht, N):
| S1_B | S1_NB | Summe | |
|---|---|---|---|
| S2_B | 85 | 9 | 94 |
| S2_NB | 5 | 1 | 6 |
| Summe | 90 | 10 | 100 |
Mindestens eine der beiden Klausuren bestehen:
\[Pr(A) = Pr(S_1B) + Pr(S_2B) - Pr(S_1B \cap S_2B) = \frac{90+94-85}{100} = \frac{99}{100}\]
Vereinigung von Ereignissen: Additionssatz
Definition: Bedingte Wahrscheinlichkeit
Die bedingte Wahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass \(A\) eintritt, gegeben dass \(B\) schon eingetreten ist.
Bedingte Wahrscheinlichkeit
\(Pr(A \cap B)\) (auch \(Pr(AB)\)) wird analog dargestellt.
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Merke: Reihenfolge in der bedingten Wahrscheinlichkeit ist wichtig — \(Pr(A|B) \ne Pr(B|A)\) im Allgemeinen.
Bedingte Wahrscheinlichkeit
\[Pr(A) = 2/4;\; Pr(B) = 2/4;\; Pr(A \cap B) = 1/4;\; Pr(A|B) = 1/2\]
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Satz: Bedingte Wahrscheinlichkeit
\[Pr(A|B) = \frac{Pr(A \cap B)}{Pr(B)}\]
Analog gilt: \(Pr(B|A) = \dfrac{Pr(B \cap A)}{Pr(A)}\)
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Daten von 100 Studis (L = gelernt, NL = nicht gelernt):
| L | NL | Summe | |
|---|---|---|---|
| B | 80 | 1 | 81 |
| NB | 5 | 14 | 19 |
| Summe | 85 | 15 | 100 |
\[Pr(B|\neg L) = \frac{Pr(B \cap \neg L)}{Pr(\neg L)} = \frac{1/100}{15/100} = \frac{1}{15} \approx 7\,\%\]
Bedingte Wahrscheinlichkeit
In Forschung und Alltag oft von Interesse:
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
Unabhängigkeit ist ein Spezialfall von Abhängigkeit: viele Arten von Abhängigkeit, aber nur eine Art von Unabhängigkeit — eine starke Aussage.
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
Definition: Stochastische Unabhängigkeit
Zwei Ereignisse sind (stochastisch) unabhängig voneinander, wenn die Wahrscheinlichkeit von \(A\) nicht davon abhängt, ob \(B\) der Fall ist.
\[Pr(A) = Pr(A|B) = Pr(A|\neg B)\]
Setzt man die bedingte Wahrscheinlichkeit ein, folgt:
\[Pr(A \cap B) = Pr(A) \cdot Pr(B)\]
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
Definition: Stochastische Abhängigkeit
Liegt keine Unabhängigkeit vor, spricht man von (stochastischer) Abhängigkeit.
\[Pr(A|B) \ne Pr(A) \ne Pr(A|\neg B)\]
Beispiel: “Lernen” und “Klausur bestehen” sind abhängig — unsere Einschätzung zu \(Pr(K)\) ändert sich, je nachdem ob \(L\) vorliegt oder nicht.
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
\[Pr(A|B) = Pr(A) \;\leftrightarrow\; Pr(B|A) = Pr(B)\]
Achtung: Stochastische Unabhängigkeit und kausale Unabhängigkeit sind unterschiedliche Dinge (Henze, 2019) — stochastische Unabhängigkeit impliziert nicht kausale Unabhängigkeit.
Stochastische (Un-)Abhängigkeit
Beispiel Regen/Kälte:
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
flowchart TD
A[Start] --1/2--> B1[T]
A --1/2--> B2[N]
B1 --1/2--> C1[TT - 1/4]
B1 --1/2--> C2[TN - 1/4]
B2 --1/2--> C3[NT - 1/4]
B2 --1/2--> C4[NN - 1/4]
Knoten = Ergebnisse, Kanten = Wahrscheinlichkeiten, Blätter = Endresultate, Pfad = Weg vom Start zu einem Blatt.
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
Satz: Multiplikationssatz für unabhängige Ereignisse
\[Pr(A \cap B) = Pr(A) \cdot Pr(B)\]
Symmetrie: \(Pr(A \cap B) = Pr(B \cap A)\)
Beispiel: \(Pr(K_1 \cap K_2) = 1/2 \cdot 1/2 = 1/4\) (2× Kopf bei fairer Münze)
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
Urne mit 5 Kugeln (4 rot, 1 blau), Ziehen ohne Zurücklegen:
flowchart LR A[Start] -->|4/5|B[Zug 1: A] A -->|1/5|C[Zug 1: nA] B -->|3/4|D[Zug 2: B] B -->|1/4|E[Zug 2: nB] D --- H["AB: 4/5·3/4=12/20"] E --- I["AnB: 4/5·1/4=4/20"] C -->|4/4|F[Zug 2: B] C -->|0/4|G[Zug 2: nB] F --- J["nAB: 1/5·4/4=4/20"] G --- K["nAnB: 0/20"]
\[Pr(A\cap B) = P(A) \cdot P(B|A) = 4/5 \cdot 3/4 = 3/5\]
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
Satz: Gemeinsame Wahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei abhängige Ereignisse \(A\) und \(B\) gemeinsam eintreten, ist das Produkt der Wahrscheinlichkeit von \(A\) und der bedingten Wahrscheinlichkeit von \(B\) gegeben \(A\).
\[Pr(A \cap B) = Pr(A) \cdot Pr(B|A)\]
Bei Unabhängigkeit vereinfacht sich das zu \(Pr(A) \cdot Pr(B)\).
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
Definition: Kettenregel
Man spricht von der Kettenregel, wenn man die gemeinsame Wahrscheinlichkeit auf die bedingte zurückführt.
\[Pr(A\cap B) = P(A) \cdot P(B|A) = P(B) \cdot P(A|B)\]
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
graph LR
A[Start: 20 Bohnen] -- 18/20 --> B1[Bohne 1 gut]
A -- 2/20 --> B2[Bohne 1 schlecht]
B1 -- 2/19 --> C2[Bohne 2 schlecht]
B2 -- 18/19 --> C3[Bohne 2 gut]
Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Ereignisse: Multiplikationssatz
3 Maschinen produzieren einen Artikel (Anteil 60/10/30 %), mit Ausschussquote 5/2/4 %.
flowchart LR A[Start] -->|0.6|B[M1] A -->|0.1|C[M2] A -->|0.3|D[M3] B -->|0.05|E[S] B -.->|0.95|F[Nicht-S] C -->|0.02|G[S] C -.->|0.98|H[Nicht-S] D -->|0.04|I[S] D -.->|0.96|J[Nicht-S]
Totale Wahrscheinlichkeit
\[Pr(S') = 0.6 \cdot 0.05 + 0.1 \cdot 0.02 + 0.3 \cdot 0.04 = 0.044 = 4{,}4\,\%\]
Totale Wahrscheinlichkeit
Satz: Totale Wahrscheinlichkeit
Bilden die Ereignisse \(M_1, M_2, \dots, M_n\) ein vollständiges Ereignissystem und ist \(S\) ein beliebiges Ereignis, dann gilt:
\[Pr(S') = \sum_{i=1}^n Pr(M_i) \cdot Pr(S|M_i)\]
In Worten: Die totale Wahrscheinlichkeit ist die Summe der gewichteten Teil-Wahrscheinlichkeiten.
Totale Wahrscheinlichkeit
Totale Wahrscheinlichkeit
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Totale Wahrscheinlichkeit

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